Volume 11, Issue 5 /2009 - German

Editorial

Europsäiche Zusammenarbeit Und Management

Der europäische Prozess zur Integration geht weiter. Das Votum der Menschen in Irland für eine neue Verfassung war eindeutig. Zuvor waren weitere Ratifizierungen in Nationalparlamenten abgeschlossen worden und  die noch abschlie- ßenden Unterschriften unter den Vertrag zur neuen Verfassung gelten als sicher. Demokratie ist mühsam, aber es gibt keine bessere Form der staatlichen Organisation. Insbesondere die fö- deralistische Gestaltung von Entscheidungen ist eine wesentliche Voraussetzung der Verteilung von legitimer rechtsstaatlicher Macht von Regierungen und Institutionen.  Allerdings wird man darauf achten müssen, dass die diesem Prozess innewohnende Komplexität nur dann transparent und steuerbar ist, wenn das Prinzip der Subsidiarität ausreichend Raum behält. Dies bedeutet, dass all die Dinge „vor Ort“ geregelt werden, die dort besser aufgehoben sind. Übergeordnete Institutionen haben die Aufgabe, den Rahmen der Handlungsmöglichkeiten abzustecken.  Sicher ein hoher Anspruch, der eine ständige Balance von Gegengewichten erfordert, aber es lohnt sich .

 

Nicht zuletzt die andauernde Finanz- und Wirtschaftskrise und das abgestimmte internationale Management haben deutlich gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit in Europa geworden ist und welche Kräfte gemeinsam erzeugt werden können,  um Krisen abzumildern. Auch die Hospitäler sind in vielfältiger Weise von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Dies gilt unter anderem für schlichte Fragen der Finanzierung von Investitionen. Darüber hinaus sind jedoch die Grundlagen der Finanzierung der Gesundheitssysteme existenziell betroffen, wenn die Bruttoinlandsprodukte rückläufig sind und die Arbeitslosigkeit steigt. Überlagert wird diese bedrohliche Entwicklung durch tiefgreifende strukturelle Probleme der Gesellschaften in Europa, die sich aus der Demographie ergeben. Dies spüren die Krankenhäuser unmittelbar durch die zunehmende Notwendigkeit der medizinischen und pflegerischen Versorgung älterer Mitbürger. Dies ist jedoch nur die eine Seite der Herausforderung. Immer deutlicher wird das strukturelle Problem durch den Mangel an qualifizierten jungen Nachwuchskräften in Medizin und Pflege. Sicher ist hier das Management in den Krankenhäusern gefordert, aber zur Bewältigung der Probleme bedarf es einer konzertierten Aktion auf nationaler, wie auf der Ebene der Europäischen Union.

 

Umso bedeutsamer ist es, dass sich auch die unmittelbar Verantwortlichen für das Management in den Krankenhäusern dieser Fragen annehmen. Dies geschieht natürlich auf der Ebene des unternehmerischen Handelns in den Hospitälern. Ebenso wichtig ist es aber, dass die Krankenhausdirektoren auf nationaler wie auf europäischer Ebene ihre Verantwortung wahrnehmen und die notwendigen Veränderungen in den Strukturen und Prozessen der Gesundheitsversorgung mit gestalten. Hierzu bieten sowohl die nationalen Verbände der Krankenhausdirektoren wie auch die Europäische Vereinigung der Krankenhausdirektoren die Plattform. Allerdings bedarf es auch hier einer ständigen Überprüfung der Grundlagen der Arbeit in unseren Verbänden sowohl hinsichtlich der Ziele und Aufgaben als auch im Hinblick auf die Strukturen. So sind wir alle aufgefordert, statt schlimme Szenarien zu prognostizieren, die Dinge, für die wir verantwortlich sind, jeden Tag ein wenig besser zu machen.

 

Die nächste Gelegenheit, sich öffentlich mit einer wichtigen Frage zur strukturellen Weiterentwicklung der Hospitäler zu stellen bietet das Seminar der EVKD auf dem Deutschen Krankenhaustag während der MEDICA am 20. November in Düsseldorf. Dort wird das Thema „Auf dem Weg zu einer fairen Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Leistungserbringern“ aufgegriffen. Wir freuen uns auf eine rege Diskussion.

Ihr

Heinz Kölking

Vizepräsident EVKD


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